
Cybèle Reif wurde am 13. Februar 1941 in Dessau geboren. Sie studierte Kunsterziehung und Germanistik in Mülheim-Kettwig und Münster und wirkte über viele Jahre als Kunstpädagogin. Sie unterrichtete an Gymnasien, gab Aquarellkurse an der Volkshochschule Münster und leitete Kinder- und Jugendmalkurse am Museum Folkwang sowie später in Berlin für den Verein Jugend im Museum.
Parallel zu ihrer Lehrtätigkeit entwickelte sie kontinuierlich ihr eigenes künstlerisches Werk. 1994 zeigte die Galerie Jasma Schauwecker am Berliner Klausenerplatz ihre Einzelausstellung Inventionen. Zeichnungen und Malerei. Später besuchte sie Meisterkurse bei Klaus Fußmann und Frank Badur an der Universität der Künste Berlin.
Ab 2008 gehörte sie zum Team von Achim Freyer im Kunsthaus am Kadettenweg. Dort führte sie durch die Kunstsammlung und die Einzelausstellungen Achim Freyers. 2021 war ihr Aquarell „Don Giovanni als Kind” im Zusammenhang mit Freyers Inszenierung von Mozarts „Don Giovanni” am Staatstheater Stuttgart zu sehen.
Im November 2023 ist die Künstlerin verstorben.
Aus der Reihe Großstadtwelten:
Bild: Nacht-Café
Anonymität und Nacht-Einsamkeit: auseinanderfallende, weithin leere Räume, mehr Nacht als Licht, an der Theke mehr Neben- als Miteinander: Fremdheit und Melancholie; im Hintergrund, in dichter Hochhausbebauung: Dichtestress und rote Fahnen als Zeichen neuer Konflikte.

Bild: Ankunft
Die Magnetkraft der großen Stadt: Schienen und Bahnhöfe als Eingangsschleusen.
Aus der Reihe Porträts

Bild: Inga
Eine einfühlsam porträtierte Frau, die ihrer Schönheit, aber auch ihres kommenden Älterwerdens bewusst ist. Etwas ängstlich schaut sie uns an vorsichtig prüfend, ob ihr “Outfit“, das nach vorne gerückte, reich bestickte Seidentuch, ihr kesser Hut, ihr Make-up und die ergänzend eingesetzten Accessoires noch ihre Wirkung tun.

Bild: Ernst Reuter. Regierender Bürgermeister von Berlin 1953
In diesem Porträt folgt Cybèle hier mit hoher psychologischer Einfühlungskraft ihrem großen Vorbild, Bernhard Heisig, Nestor der expressionistischen „Leipziger Schule“: Farbe und Form werden autonom gesetzt gegenüber jedem äußeren Wirklichkeitsanspruch.
Mit aggressiven, stark leuchtenden Farben, vor allem Rot, Schwarz, Gelb und Grün, macht sie hier die extreme Selbst-Überlastung nachfühlbar, der sich der starke Raucher Reuter nach seiner Rückkehr aus dem türkischen Exil von 1947 bis 1953 schonungslos ausgesetzt hat. Der charismatische Retter Berlins vor den Sowjets („Ihr Völker der Welt…“) erscheint hier innerlich aufgebraucht, physisch und psychisch erschöpft, wenige Monate vor seinem Tod 1953.
Die Farben sind dick und mit grobem Pinselstrich aufgetragen, sodass die Gesichtszüge bisweilen stark verfließen.
📍 Asternplatz 3, 12203 Berlin, Deutschland
🔗 Website
